1. 2 Jesus, der Christus

Wahrer Gott und wahrer Mensch: der Herr der Welt

Niemals hat ein Mensch gelebt, der sich mit Jesus vergleichen lässt. So sagen es alle, die mit klarem Verstand und offenem Herzen lesen, was von ihm berichtet wird. Vier Schriften, die in ihrer Form einzigartig sind, erzählen von ihm, die Evangelien. Sie sind in kleine Abschnitte unterteilt. Jeder dieser Abschnitte hat einen reichen Inhalt, über den man lange nachdenken kann. So kann man stückweise etwas davon aufnehmen. Wir sollen darüber staunen: Das ist die Art, wie der Herr der Welt redet und handelt.

Jesus muss essen und trinken, er wird müde, muss schlafen, er leidet und stirbt: Er ist ein wahrer Mensch. Aber er kennt das Verborgene, er kann wunderbar helfen, er kann heilen und macht mit wenigem viele fröhlich und satt. Er ist wahrer Gott. Er ist das Kind Marias und der Sohn Gottes.

Jesus wurde versucht. Er sollte demonstrieren, dass er Gottes Sohn ist. Aber Jesus hat dieser Versuchung widerstanden. Gott tut Wunder. Aber er will nicht zaubern. Er ist allmächtig. Aber seine Allmacht geht nicht über die Ordnungen dieser Welt hinweg.

Auch wir dürfen Gott nicht versuchen. Wir dürfen von ihm nicht erwarten, dass er uns hilft, zauberhaft, durch seine blosse Macht, ohne dass wir uns an sein Wort halten. Gott will Gott sein und will allmächtig alles fügen, nicht wie ein Mechaniker seine Maschine, nicht wie ein Marionettenspieler seine Puppen und nicht wie ein Diktator seinen Staat. Gott will herrschen durch sein Wort, das wir glauben oder vor dem wir uns verstocken können. Gott will lieben und geliebt werden. Er will Gott sein vereint mit uns Menschen.

Ein Vergleich: Jesus und Prinz Gothama, der Buddha

Es ist für das Verstehen hilfreich, wenn wir das Leben und Handeln von Jesus vergleichen mit dem Prinzen Gothama, der die andere grosse, völkerumfassende Religion gestiftet hat und von vielen Menschen als der «Buddha» verehrt wird: Lange hat dieser grosse religiöse Führer für sich selbst nach der Erkenntnis gesucht. Von einem Lehrer zum andern ist er gegangen, bis er endlich die Erleuchtung gefunden hat. Viele Jahrzehnte hat er dann für seine Einsichten geworben. Umsichtig hat er einen grossen Schülerkreis gesammelt und mit Hilfe der örtlichen Machthaber viele Klöster gegründet. Alt und hoch geehrt ist er gestorben. «Ich bin in Zukunft jetzt nicht mehr da für euch», sagt er seinen Anhängern zum Abschied. «Nur meine Lehre bleibt, die wird euch leiten.»

Jesus aber wusste von Anfang an, was für die Menschen nötig ist und was er darum tun und leiden musste. Er kennt die Wahrheit aus sich selber. Nur eine kurze Zeit lang hat er gewirkt. Aber was er tat, war vorbereitet von der langen, besonderen Geschichte seines Volkes. Er erklärt seine Handlungen aus den Büchern des Mose, die Jahrhunderte vor ihm geschrieben worden sind. Er lässt die Propheten, die lange vor ihm gelebt haben, für sich reden. Und er sagt seinen Jüngern: Ich bleibe auch nach meinem Tod bei euch und sorge selber für den Fortgang meines Werkes.

Das Hundertguldenblatt
In seinem Kupferstich, den man „Das Hundertguldenblatt“ nennt, macht der Maler Rembrandt van Rijn anschaulich, wie das Evangelium von Jesus Christus auf die Menschen wirkt.
Die Menschen, denen es gut geht, die Macht haben und zuständig sind, über die Wahrheiten des Lebens und das Recht der Lehren zu urteilen, bleiben auf Distanz. Teils spotten sie, teils schotten sie sich ab und reden über das, was ihnen wichtiger scheint. Sie sind äusserlich im hellen Licht; in Rembrandts Bild aber sind sie blass, und ihr Leben ist ohne Tiefe.
In das Leben der Menschen aber, denen es schlecht geht, die krank und arm und notleidend sind, trägt das Evangelium sein Licht und macht es heller. Ihre Gesichter widerspiegeln die Bedrängnis, aber auch die Hoffnung und den Dank. Unter ihnen ist auch eine schön gekleidete Frau, der es offensichtlich gut geht. Aber sie weist auf den notleidenden Mann, der vor ihr liegt, und sucht das Licht des Evangeliums – nicht direkt für sich selber, weil sie es aus einem äusseren Grund nötig hat, sondern aus Liebe und Mitleid zu den vielen Armen. Im Hintergrund trägt ein Kamel einen Mann durch das Stadttor. Es erinnert daran, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr geht als ein Reicher in das Reich Gottes – dass aber für Gott alle Dinge möglich sind.